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Brandmale
Dr.phil. Eugen-Maria Schulak
Das Handwerk und die Beherrschung des Feuers, diese ersten und grundlegenden Schritte auf dem Weg des Menschen, prägen auch die neuesten Arbeiten von Thomas Girbl, nachhaltig und entscheidend. Die Inspiration entzündete sich an den Buschbränden Australiens, an einer Leben zerstörenden und Leben wieder aufbauenden Naturgewalt im Rahmen einer sagenumwobenen, archaischen Welt.
Das Geheimnisvolle, das man den Buschmännern nachsagt, findet sich in anderer Form auch in Girbls Bildern. Wie es möglich war, das Feuer einzufangen, zu zähmen und schließlich zu Papier zu bringen, verrät uns der Maler nicht. Und das mit gutem Grund: Es ist sein ureigenes alchemistisches Wissen, das er sich erarbeitet hat, laufend verbessert und fortan hütet. Das Recht auf sein Geheimnis soll ihm niemand aberkennen.
Girbls Bilder brannten im Zuge ihres Entstehens. Man sieht es ihnen deutlich an. Es war exakt so viel Feuer, als nötig war, um dessen Wirkung sichtbar zu machen, um das ihm geopferte Material abzubrennen und dadurch abzubilden. Und es war exakt so viel Kontrolle, Dressur des Feuers, als nötig, um nicht alles zu verlieren - ein Balanceakt an der Kippe zur Zerstörung, eine kunstvolle Berechnung des Risikos, ein initiierter Kampf zwischen Material und Element, ein gekonntes Spiel mit Vernichtung und Aufbau. Freilich war auch Zufall im Spiel, zwar gesteuert, aber trotzdem wirksam. Ungeplantes wurde dann oft erst später, nach längerem Betrachten sichtbar.
Kein Zaudern war möglich. Auch bedurfte es höchster Konzentration: Der Künstler konnte sich nicht gehenlassen und das Natürlichste tun, nämlich ins Feuer zu starren und sein Züngeln beobachten. Möglich, dass er es trotzdem dann und wann tat. Denken wir an jene Bilder, die ganz und gar verbrannten oder zumindest unbrauchbar wurden, an den Schmerz, der daraus resultierte und an den Lernprozess, der darauf folgte.
In Girbls Bildern wird Natur nicht bloß abgebildet, sondern eingefangen und dem Material aufgeprägt, eingebrannt. Die Form schaffende Kraft des Feuers ist in verbrannten Farbtönen stets sichtbar. Im Zentrum steht jedoch das warme, gelbe Licht der Flammen selbst. Alles wirkt erleuchtet, strahlt aus. Selbst aus der Tiefe dringt noch Licht hervor, macht die Komposition transparent und beleuchtet sie gleichsam von hinten. Hinzu gesellen sich die Farben der Elemente sowie horizontal und vertikal gezogene Bögen und Linien. Letztere wirken gebürstet, geschabt, drehen und verwinden sich, treffen aufeinander, kreuzen einander an zentralen Stellen, lösen sich auf und verlieren sich, oft jenseits des Bildrandes. Manchmal kehren sie auch wieder zurück; rücken ans Feuer, um sich zu wärmen.